Beschreibung:
Die Krone Böhmens umfasste vor der Schlacht am Weißen Berg die Länder Böhmen,
Mähren, Schlesien sowie die Ober- und die Niederlausitz. Diese Länder
unterschieden sich sowohl in politischer als auch in wirtschaftlicher und in
ethnischer Hinsicht stark voneinander. In den größeren Städten, vor allem der
königlichen und auch kaiserlichen Residenz Prag, fanden sich Einwohner
verschiedener nationaler Herkunft. Ein höfisch-adliger Kosmopolitismus sowie die
zunehmende Ansiedlung deutschsprachiger Bewohner gerade in den Bergbauregionen
an den böhmischen Grenzen, aber auch im Landesinneren führten zu Gegenreaktionen
des tschechisch sprachigen Adels. 1609 wurden in Mähren, 1615 in Böhmen
Sprachgesetze geschaffen, die eine Beherrschung des Tschechischen vorschrieben.
Das änderte aber nichts an der immer stärkeren wirtschaftlichen Öffnung der
prosperierenden böhmischen Länder zu ihren Nachbarn, insbesondere zu
Innerösterreich, Bayern, der Kurpfalz und Sachsen.
Auf den etwa 122000 Quadratkilometern der Länder der böhmischen Krone lebten
rund vier Millionen Einwohner bei einer Bevölkerungsdichte von 34 bis 35
Einwohnern je Quadratkilometer (zum Vergleich: Spanien hatte im späten 16.
Jahrhundert etwa 6,7 Millionen Einwohner). Die relativ hohe Bevölkerungsdichte
erklärt sich auch aus der großen Zahl von Städten, insbesondere im böhmischen
Landesteil. In den großen Städten wie Prag, Olmütz oder Iglau gab es ein hoch
spezialisiertes Handwerk. Neben vielfältigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen
zeichnete sich Böhmen durch großen Rohstoffreichtum aus. Der Bergbau auf
Edelmetalle hatte nicht nur viele sächsische und bayerische Bergbauspezialisten,
sondern vor allem die Kapitalien der großen oberdeutschen und sächsischen
Handelshäuser ins Land gezogen.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts etablierte sich vorherrschend in
Böhmen, aber auch auf den großen Gütern in Mähren eine juristisch gebildete
Beamtenschaft. Zugleich gelang es der Krone, ihren Besitz zu erweitern. Für die
Untertanen machte sich beides in einer deutlichen Vermehrung der Ämter
bemerkbar, wobei gerade die dem König ergebenen Beamten zugleich die
Konfessionalisierung unter katholischem Vorzeichen vorantrieben. Trotzdem waren
die Katholiken in Böhmen zahlenmäßig in der Minderheit. Aus hussitischen
Traditionen heraus hatten sich die Utraquisten gebildet, die sich in Alt- und
Neu-Utraquisten aufspalteten. Während die Alt-Utraquisten dem Katholizismus nahe
standen, neigten die Neu-Utraquisten mit ihrem radikal reformatorischen
Gedankengut bald dem Luthertum, bald dem Kalvinismus zu. Eigentliches Luthertum
fand sich eher im deutschen Sprachgebiet, vor allem im Erzgebirge nahe der
sächsischen Grenze. Die straffste Kirchenorganisation entwickelten die
Brüderunitäten, die enge Kontakte zu den Kalvinisten hielten.
Trotz einiger gemeinsamer Institutionen war die Verbindung der böhmischen Länder
untereinander relativ schwach ausgeprägt. Das wichtigste gemeinsame Organ war
der Generallandtag. Die böhmischen Stände fassten sich als den anderen Ländern
lehensmäßig übergeordnet auf. Das führte zu latenten Spannungen, insbesondere
zwischen Böhmen und Mährern. Aber auch in dem in viele Herzogtümer
zersplitterten Schlesien und in den Lausitzen begann sich etwa seit 1600
Widerstand gegen die böhmische Vorherrschaft zu regen.
Text: Peter Wolf
Literatur:
- Bilhöfer, Peter: Nicht gegen Ehre und Gewissen. Friedrich V., Kurfürst von der Pfalz - der "Winterkönig" von Böhmen (1596-1632), Diss. Mannheim 1999
- Auerbach, Inge: Stände in Ostmitteleuropa. Alternativen zum monarchischen Prinzip in der frühen Neuzeit, München 1997
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