Musik
Ansbach: Wiegleb-Orgel für St. Gumbertus
Die ursprüngliche Barockorgel von 1736/38 des Ansbacher "Land- und
Hoforgelmachers" Johann Christoph Wiegleb (1690 – 1749) aus Wilhermsdorf
war zu ihrer Zeit mit 47 klingenden Stimmen die größte und bedeutendste
Orgel im fränkischen Raum. Wieglebs Instrumente waren hochgeschätzt,
die verzweigte Orgelbauerfamilie, die später im Kurpfälzischen wirkte,
genoss einen nachhaltigen Ruf.
Das Gehäuse von Hofbaumeister Leopoldo Retty gehört zu den prächtigsten
Schöpfungen des Spätbarock, weist stilistisch nach Mitteldeutschland
und zeigt Ähnlichkeiten zu Orgelwerken Gottfried Silbermanns.
Die ersten Entwürfe, die der Orgelmacher Wiegleb vorlegt, erscheinen
dem zuständigen Baudirektor Heerbrand zu klein und bescheiden für
den großen Kirchensaal. Zusammen mit dem "Rath und Hofmedicus" Dr.
Feuerlein und dem Organisten Meyer schlägt er deshalb dem Markgrafen
vor, "die Register und das Clavier an der Neuen Stiffts Kirchen
Orgel" zu vermehren. Diesen Vorschlag macht sich Markgraf Carl Wilhelm
Friedrich zu eigen. Auf diese Weise kommt es zu dem die gesamte
Westwand beherrschenden Orgelprospekt. Demnach hat Retty wohl auch
die künstlerische Durchbildung des Orgelkörpers massiv beeinflußt.
Die Disposition (Klanggestalt) der Orgel zeugt von einem außergewöhnlichen
Reichtum an differenzierten Klangfarben; sie zeigt eine ganze Reihe
von für ihre Zeit zukunftsweisenden Entwicklungen auf und repräsentiert
ein eigenständiges Klangbild zwischen Silbermann im Norden und Gabler
und Holzhay im Süden.
1884 wurde unter Verwendung eines erheblichen Teils der Wiegleb-Orgel
von Georg Friedrich Steinmeyer (Öttingen) ein neues Orgelwerk eingebaut,
von dem Albert Schweitzer schwärmte "mit der Hoffnung, dass sie
vom Verfall oder schlechter Restauration bewahrt werden möge" (Brief
an Stadtkantor Hermann Meyer vom 19.5.1929). 1961 erstellte dieselbe
Orgelfirma wiederum einen Neubau im alten Gehäuse, bei dem jedoch
die nachweislich noch vorhandenen 19 Wiegleb-Register unwiederbringlich
verloren gingen.
Die detaillierte Aufarbeitung der Orgelgeschichte in St. Gumbertus
hat Prof. Dr. Egert Pöhlmann in seinem Beitrag im Almanach der Bachwoche
Ansbach 1989 geleistet. Neueste Erkenntnisse zur Baugeschichte und
Funde zum Prospekt bestätigen die überregionale Bedeutung der Wiegleb-Orgel.
http://www.wiegleb-orgel-ansbach.de/
Altötting: Die Marienorgel in der
Basilika St. Anna
Für die großen Pilgerzüge seit der Jahrhundertwende wurde in den
Jahren 1910-12 die rund 8000 Menschen fassende St. Anna-Basilika
im neubarocken Stil gebaut. Der 83 Meter lange und 24 Meter hohe
Kirchenraum erforderte eine angemessene Beschallung. Das erste Instrument
aus dem Jahre 1916 wurde zunehmend störanfällig. 1973 konnten die
Kapuziner einen Neubau unter Verwendung des Gehäuses und der wertvollen
romantischen Register in Auftrag geben. Die neue Marienorgel mit
mechanischer Spieltraktur zählt aufgrund ihrer 5 Manuale und 82
Register zu den größten Orgeln in Deutschland.
http://www.iivs.de/home/Sonny/Basilika.htm
Ettal: Die Ettaler Barock-Orgel
Wenn man die Ettaler Klosterkirche besucht und den künstlerischen
Reichtum dieses Gotteshauses betrachtet und bewundert, ist man immer
wieder beglückt über den großartigen Orgelprospekt, der sich über
der elegant geschwungenen Orgelempore erhebt. Obwohl die Architektur
des Raumes ihm nicht durch einen ihn begrenzenden Rahmen entgegenkommt
wie in vielen bekannten Barockkirchen, sondern ihn frei in den hohen
Raum ausschwingen läßt, fügt er sich doch in vollendeter Harmonie
in diesen.
Dem Orgelfreund und -kenner aber drängt sich die Frage auf: Entspricht
das Orgelwerk diesem goldenen Rahmen, oder ist es ein Werk wie viele
andere? Verschiedene glückliche Umstände haben das Orgelwerk, das
ursprünglich in diesen Rahmen hineingebaut wurde, vor der Vernichtung
oder Verfälschung bewahrt. Eine erste Gefahr drohte ihm in der Säkularisation
von 1803. In den Auflhebungsakten war die Orgel auf eine Summe von
1200 fl. geschätzt worden. Auf eine Anfrage des Churf. Localkommissaires
Thoma wurde diesem jedoch von der Churf. Landes-Direktion bedeutet,
"daß er die dortige große Kirchenorgel daselbst unversteigert zu
belassen habe". Sicher hätte die Orgel einen Standortwechsel nicht
unversehrt überstanden, wo sie doch so einmalig in diesen Raum mit
seinen besonderen akustischen Eigenschaften hineingebaut worden
war. Dagegen wurde die Chororgel unter ihrem Schätzungswert von
400 fl. nach Bayerniederhofen (zwischen Steingaden und Füssen) verkauft,
zu Beginn dieses Jahrhunderts umgebaut und schließlich durch eine
neue ersetzt. Sie stand übrigens nicht im Presbyterium der Kirche,
sondern im Chorsaal, der sich über der Sakristei an das Presbyterium
anschließt und als Mönchschor diente. Sie stammte nicht von J. G.
Hörterich, sondern war "ein feines Werk von 12 Registern und eben
1786 neu aufgesetzet und verfertigt von Thoma von Apfeltran (wohl
aus der gleichn. Ortschaft bei Kaufbeuren). Außerdem wurde 1803
ein Positiv (kleine pedallose Orgel), in den Akten auf 60 fl. geschätzt,
versteigert.
Die Hauptorgel wurde also von dem Sturm der Säkularisation verschont.
Sie war um 1763 von Joh. Georg Hörterich aus Dirlewang bei Mindelheim
gebaut worden. Die 1695 unter Abt Roman Schreter gebaute Orgel hatte
der Brand von 1744 vernichtet. Über das Leben von J. G. Hörterich
(Herterich) sind keine näheren Angaben vorhanden. Er baute u. a.
1748 eine Orgel in der Dominikus-Zimmermann-Kirche in Eresing bei
Landsberg.
Am 26. April 1756 wurde in der von Joh. Michael Fischer neu errichteten
Kirche zu Bichl, das zur Abtei Benediktbeuern gehörte, eine neue
Orgel von Joh. Georg Herterich von Dirlewang aufgestellt. In dieser
Kirche arbeiteten auch J. J. Zeiller und Joh. Bapt. Straub. 1763
baute er in der Jachenau eine Orgel, wie aus einem Eintrag auf den
1. Mai 1763 in einem Einschreibkalender eines ungenannten Mönches
von Benediktbeuern hervorgeht: "heunt alß den 1. Tag May wurdte
in der Jachenau das erste mahl die Neue Orgl von unserem H:Schuell
Maister Deni geschlagen, alß welche Orgl die Würthin allda von ihren
eigenen unkösten a 130 fl. bezahlet. Der Orglmacher ware Georg Hertrich
von Thörläwang"' (ist wohl mit Dirlewang gleichzusetzen). In Polling
schuf er 1765 die größte von ihm bekannte Orgel mit 32 Registern.
Dieses Werk hatte auch Zungenregister (Vox humana 4' im II. Man.,
Cornett 4' und Posaunenbaß im Pedal), welche in der Ettaler Orgel
fehlen. 1835 wurde diese Orgel von dem Orgelbauer Hörmüller aus
Landsberg, der uns auch in Ettal begegnen wird, repariert, dabei
die Disposition verändert und verkleinert. Später nahm die Orgelfirma
M. März aus München umfangreiche Renovierungen vor, 1915 schließlich
wurde ein neues Werk erstellt. Vor einigen Jahren wurde auch dieses
wieder durch ein neues ersetzt, dem die Disposition der Hörterich-Orgel
zugrunde liegt.
Im Sommer 1770 arbeitete in Ottobeuren unter Karl Riepp ein „Johann
georg ein bayer". Joseph Woersching vermutet in seinem Buch über
den Orgelbauer Karl Riepp, daß es sich hier um Joh. Georg Hörterich
handelt, der viel rechts des Leches, also in Bayern, arbeitete.
http://www.abtei-ettal.de/orgel.html
Irsee: Klosterorgel
Mit der Orgel, die Balthasar Freiwiß 1752-1754 (Jahr der Vollendung
auf dem Notenblatt des linken Puttos) unter Mitwirkung eines Irseer
Konventualen, des als Komponist und Musiktheoretiker namhaften P.Meinrad
Spieß (1683-1761) baute, besitzt Irsee eine der wenigen fast original
erhaltenen Barockorgeln Schwabens. Sie gehört zur Gruppe der Fensterorgeln
(auch in Weingarten, Diessen, Obermarchtal), d. h. der vierteilige
Prospekt umrahmt das große, für die Belichtung wichtige Mittelfenster
der Westfront. Beim Einbau der Orgel mußte dieses Fenster allerdings
teilweise zugesetzt werden. Seitlich des Fensters sind Haupt- und
Pedalwerk symmetrisch angeordnet; beide Hälften verklammert ein
dreiteiliges Kronwerk, das sich über einer Uhr im Fensterscheitel
erhebt. Hinzu tritt ein siebenteiliges Brustpositiv in der Emporenbrüstung.
Daß zwischen der Fertigstellung der Kirche und dem Bau der Orgel
ein halbes Jahrhundert liegt, verraten die hochentwickelten Rokokoformen
des Orgelprospekts. Das grün-rot marmorierte Holzgehäuse ruht auf
einem vielfach geschwungenen Sockel (seit 1754 mit dem Chorgestühl
verbunden). Vor allem die äußerst lebhaft geschweifte, reich profilierte,
bis zum Gewölbe reichende Bekrönung der Pedaltürme und das vergoldete
Rocailleschnitzwerk mit den eigenartig langgezogenen, flammenartigen
Auswüchsen lassen den Zeitunterschied erkennen. Musizierende Putten
und Engel symbolisieren das himmlische Orchester mit Posaunen, Schalmei,
Laute, Hörnern, Fagott und Harfe. Der Name des hervorragenden Bildhauers
ist in den Quellen nicht genannt.
Geradezu ein Prunkmöbel ist der vollständig erhaltene Orgelspieltisch
aus Eichenholz mit intarsierten Nußbaumfüllungen. Beidseitig liegen
drei Reihen von gedrechselten Registerzügen aus Pflaumenholz übereinander,
denen hübsch verzierte Messingschildchen mit dem Namen des jeweiligen
Registers zugeordnet sind. Die Untertasten der beiden Manuale sind
mit Schlangenholz belegt und an der Stirnseite mit Bögen aus Buchsbaum
versehen; die Obertasten aus Ebenholz sind mit Bein belegt.
In das Orgelgehäuse integriert ist das zweireihige Chorgestühl.
Dessen eichene Sitzbänke (um 1710/20) stammen von dem Chorgestühl,
das bis 1754 im Hochaltarraum aufgestellt war und beim Bau der Orgel
auf die Westempore verlegt wurde. Brüstung und Dorsalien (mit Holzeinlegearbeiten
verziert) wurden zusammen mit der Orgel gefertigt. In der Mitte,
genau vor dem großen Fassadenfenster, steht der erhöhte Dreisitz
für Abt, Prior und Subprior; über dem Abtsstuhl ein Pelikan (Wappentier
des Abtes Bernhard Beck, der das Gestühl versetzen ließ), Putten
sowie Stifter- und Konventwappen.
http://www.irsee.de/kf/kf_inhalt_orgel.htm
Ottobeuren: Die drei Orgeln in der
Basilika
Karl Joseph Riepp vollendete 1766 die beiden Ottobeurer Chororgeln:
die rechte, auf der Epistelseite stehende Dreifaltigkeitsorgel und
die linke, auf der Evangelienseite stehende Heilig-Geist-Orgel.
Beide Werke umschließen einen massiven Chorpfeiler und haben charakteristische,
in Baß und Diskantseite geteilte Brüstungspositivkästen. Äußerlich
völlig identisch, bilden sie zusammen mit dem Kirchenraum ein in
der Orgelbaugeschichte einzigartiges Ensemble. Beide Werke sind
noch zu ca. 85 % original erhalten.
Auf der rückwärtigen Empore steht die Hauptorgel (Marienorgel),
die vom Bundesverband der Deutschen Industrie gestiftet und von
der Firma Steinmeyer (Oettingen) 1952-1957 erbaut wurde. Marienorgel
(Steinmeyer): 5 Manuale / Pedal / 86 Register und 4 Tremulanten
Diese Orgel wird derzeit von der Firma Johannes Klais in Bonn restauriert
und soll am Samstag vor Kirchweih, den 19. Oktober 2002 wieder eingeweiht
werden.
Die Weihe nimmt der Apostolische Nuntius in Deutschland, S.E. Erzbischof
Dr. Giovanni Lajolo (Berlin) vor.
http://www.pfarrei-ottobeuren.de/seite2/Orgeln.html