Elisabeth Oberdorfer
geb. 1910 in Augsburg, Vater Fabrikbesitzer (Schirmfabrikant), Wohnung Schaezlerstraße 15 / III, Geschäft Maximilianstraße 19

Elisabeths Vater Eugen Oberdorfer (geb. 1875 in Augsburg) betrieb eine Schirmfabrik. Im Ersten Weltkrieg wurde er Landsturmjäger. Seine Ehefrau hieß Emma Karolina, geb. Binswanger (geb. 1884 in Augsburg). So wie Elisabeth besuchte auch ihre Schwester Marianne die Maria-Theresia-Schule.
Elisabeth besuchte die Maria-Theresia-Schule von 1924 bis 1926 in den Klassen 5a und 6a; vermutlich war sie 1920 in Klasse 1 eingetreten.
Im Mai 1925 feierte Elisabeth zusammen mit neun anderen jüdischen Mädchen ihre »Konfirmation« in Augsburg (Batmizwah: Fest der religiösen Mündigkeit für jüdische Mädchen, kann individuell am Sabbat nach dem 12. Geburtstag des Mädchens begangen werden, wurde in Augsburg aber, ähnlich wie die protestantische Konfirmation, jährlich oder in noch größeren Abständen für mehrere Jahrgänge gemeinsam abgehalten).
Elisabeth fuhr 1934 nach Rom, da sie Italienisch lernen wollte und die Zugfahrkarten im Heiligen Jahr ermäßigt waren. Sie arbeitete als Au-pair-Mädchen und in einer Antiquariatsbuchhandlung. 1938 heiratete sie in Rom Friedrich G. Friedmann (geb. 1912 in Augsburg). Dessen Vater war Teilhaber der Wäschefabrik »Friedmann & Dannenbaum« in Augsburg. Friedrich (»Fritz«) hatte bis 1931 das Gymnasium St. Stephan besucht, war 1933 von der Gestapo in Augsburg festgenommen worden und kurz darauf nach Rom geflohen. Er arbeitete dort als Lateinlehrer im Vatikan und studierte Philosophie an der Universität.
1939 flüchteten die Friedmanns von Italien nach England. In London wurde 1940 ihr Sohn John Friedman geboren. Von hier aus emigrierten sie unter dramatischen Umständen in einem Schiffskonvoi weiter in die USA (bis auf ihr Schiff wurden alle anderen vor Kanada von deutschen U-Booten torpediert).
 



Eugen und Emma Karolina Oberdorfer, Elisabeths Eltern, mussten im Mai 1942 in die Hallstraße 14 ziehen, wo die Nationalsozialisten ein sogenanntes »Judenhaus« einrichteten. Beide leisteten von Sommer 1942 bis Anfang März 1943 Zwangsarbeit in der Augsburger Ballonfabrik. Sie wurden deportiert, vermutlich am 8./9. März 1943 nach Auschwitz (vielleicht über Theresienstadt), und gelten als verschollen.
In den USA machte Fritz Friedmann eine wissenschaftliche Karriere. Elisabeth widmete sich voll und ganz ihrer Familie. Sie war, obwohl sie keine Möglichkeit zu einem Studium hatte, hoch gebildet und redigierte viele Texte ihres Mannes, bevor sie veröffentlicht wurden.
1960 kehrte Elisabeth mit ihrem Mann nach Deutschland zurück, zunächst nach München. Fritz wurde dort Professor für nordamerikanische Kulturgeschichte und Direktor des Amerika-Instituts an der Ludwig-Maximilians-Universität. 1979 wurde er emiritiert. Später zog das Ehepaar nach Friedberg bei Augsburg.
Elisabeth Friedmann, geb. Oberdorfer, ist 2002 in Friedberg gestorben und wurde in Augsburg auf dem jüdischen Friedhof an der Haunstetter Straße begraben. Sie hatte der ehemaligen deutschen, liberal-jüdischen Gemeinde Augsburgs angehört; da es hier aus dieser Tradition keine zehn Männer mehr gab, konnte für Elisabeth das Kaddisch nicht gesprochen werden (Kaddisch: jüdisches Gebet, eine Heiligung des göttlichen Namens; eine Version davon wird von Sohn oder Tochter des Verstorbenen bei der Beerdigung gebetet, dabei müssen zehn Männer anwesend sein).
Fritz Friedmann, Elisabeths Ehemann, starb im Januar 2008.
 



Elisabeths Tochter Miriam Friedmann, geb. 1942 in Jackson (Tennesse), lebte lange in New York. Sie war maßgeblich an Publikationen über Hertha Nathorff, eine Cousine Albert Einsteins, beteiligt (Das Tagebuch der Hertha Nathorff. Berlin –
New York, Aufzeichnungen 1933 bis 1945, hrsg. von Wolfgang Benz, München 1987; Film »Traumspuren«, HFF München und Bayerischer Rundfunk 1993, Regie Patrick Hörl). Wir verdanken ihr viele Informationen für das Projekt »Spurensuche«. Miriams Tante väterlicherseits war Anna Friedmann.

(Diese Kurzbiografie beruht zum größten Teil auf Angaben von Elisabeths Tochter Miriam Friedmann.)

NB: Von Eugen und Emma Karolina Oberdorfer heißt es im Gedenkbuch des Bundesarchivs (2. Aufl. 2006), sie seien zu unbekannter Zeit mit unbekanntem Ziel deportiert worden. Das Ehepaar ist nicht im Theresienstädter Gedenkbuch (Prag 2000) verzeichnet.
   
 
   
   
  Marianne Oberdorfer
geb. 1907 in Augsburg, Vater Fabrikbesitzer (Schirmfabrikant), Wohnung Schaezlerstraße 15 / III, Geschäft Maximilianstraße 19

Mariannes Vater Eugen Oberdorfer (geb. 1875 in Augsburg) betrieb eine Schirmfabrik. Im Ersten
Weltkrieg wurde er Landsturmjäger. Seine Ehefrau hieß Emma Karolina, geb. Binswanger (geb. 1884 in Augsburg). So wie Marianne besuchte auch ihre jüngere Schwester Elisabeth die Maria-Theresia-Schule.
Marianne besuchte die Maria-Theresia-Schule von 1918 bis 1925, zunächst in den Klassen 2–6, dann noch zwei Jahre zur Vorbereitung auf die Erzieherinnenprüfung.
1921 feierte Marianne gemeinsam mit sechs anderen jüdischen Mädchen ihre »Konfirmation« in Augsburg (Batmizwah: Fest der religiösen Mündigkeit für jüdische Mädchen, kann individuell am Sabbat nach dem 12. Geburtstag des Mädchens begangen werden, wurde in Augsburg aber, ähnlich wie die protestantische Konfirmation, jährlich oder in noch größeren Abständen für mehrere Jahrgänge gemeinsam abgehalten).
Nach ihrer Schulzeit wurde Marianne Röntgen-Gehilfin. 1936 heiratete sie Robert Weil (geb. 1904 in München). Mit ihm emigrierte sie 1938 über London in die USA, als ihre Schwester Elisabeth noch in Rom weilte. Das Ehepaar lebte zunächst in Houston (Texas), dann in Los Angeles. Marianne arbeitete als Hilfe in einer Bäckerei, später war sie in einem Waisenhaus angestellt. Robert war Vertreter für Textilfirmen. Das Ehepaar bekam einen Sohn.
Marianne Weil, geb. Oberdorfer, ist 2001 in Los Angeles gestorben.
Eugen und Emma Karolina Oberdorfer, Mariannes Eltern, mussten im Mai 1942 in die Hallstraße 14 ziehen, wo die Nationalsozialisten ein sogenanntes »Judenhaus« einrichteten. Beide leisteten von Sommer 1942 bis Anfang März 1943 Zwangsarbeit in der Augsburger Ballonfabrik. Sie wurden deportiert, vermutlich
   


am 8./9. März 1943 nach Auschwitz (vielleicht über Theresienstadt), und gelten als verschollen.

(Miriam Friedmann, Mariannes Nichte, hat zu dieser Kurzbiografie beigetragen.)

NB
: Von Eugen und Emma Karolina Oberdorfer heißt es im Gedenkbuch des Bundesarchivs (2. Aufl. 2006), sie seien zu unbekannter Zeit mit unbekanntem Ziel deportiert worden. Das Ehepaar ist nicht im Theresienstädter Gedenkbuch (Prag 2000) verzeichnet.

   
  Lisbeth Obermayer
geb. 1914 in Augsburg, Vater Kaufmann

Lisbeths Eltern waren Heinrich Obermayer (geb. 1878 in Augsburg) und Else, geb. Marx (geb. 1890 in Nördlingen). Else starb 1920. Heinrich heiratete 1927 zum zweiten Mal, seine zweite Braut war Elses ältere Schwester Jenny, geb. Marx (geb. 1885 in Nördlingen).
Lisbeth besuchte die Maria-Theresia-Schule von 1924 bis 1930 in den Klassen 1–6.
1934 heiratete Lisbeth den Kaufmann Erich Schwarz (geb. 1906 in Augsburg), den Bruder von Ilse Schwarz; das Ehepaar bekam 1936 eine Tochter. Die Familie emigrierte 1937 in die USA. In New York betrieb Erich eine Seifenfabrik. Später zog die Familie nach Kew Gardens (New York).
Lisbeth Schwarz, geb. Obermayer, ist 2004 in New York gestorben.
Lisbeths Vater Heinrich starb 1936 in Augsburg. Ihre Stiefmutter Jenny zog 1938 nach München. Am 20. November 1941 wurde sie nach Kowno (Kaunas) in Litauen deportiert; fünf Tage später wurden die verschleppten Männer, Frauen und Kinder in Kowno erschossen.

Siehe Andreas Heusler, Brigitte Schmidt, Eva Ohlen, Tobias Weger u. Simone Dicke unter Mitarbeit von Maximilian Strnad, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945, Bd. 2 (M–Z), hrsg. vom Stadtarchiv München, München 2007, S. 205f. (zu Jenny Obermayer).

Literatur:
Karin Friedrich, »Der Zeitzeuge und das Lager der Todgeweihten. Als Richard Marx Abschied von seiner Tante Jenny nahm«, in: Süddeutsche Zeitung vom 9./10. November 1991 (zu Jenny Obermayer).
   
 
 
 
  Adele Obernbreit
geb. 1898 in Augsburg, Vater Kaufmann

Adeles Vater Emanuel Obernbreit (geb. 1866) war Besitzer eines Schuhgeschäfts. Seine Ehefrau hieß Cäcilie (Cäzilia), geb. Großmann (geb. 1862). So wie Adele
besuchten auch ihre Schwestern Elsa, Ernestine und Rosa die »Städtische Töchterschule«, die ab 1914 »Maria-Theresia-Schule« hieß. Adele ging hier von 1909 bis 1912 in die Klassen 1b, 3b und 4a.
Ende 1922 heiratete Adele den Münchner Damenschneider Samuel Obarzanek (oder Oberschaneck, geb. 1896 in Warta), der polnischer Staatsbürger war. Das Ehepaar bekam eine Tochter, Thea (geb. 1923), und einen Sohn, Emanuel (geb. 1927). Die Familie wohnte in München in der Corneliusstraße 22, wo auch das Schneidereigeschäft untergebracht war.
Adeles Vater Emanuel starb 1924 in Augsburg. Seine Witwe Cäcilie zog 1929 zusammen mit ihrer jüngsten Tochter, Elsa, nach München und wohnte dort in der Reichenbachstraße, nahe bei der Familie Obarzanek und gleich neben der dortigen Synagoge der aus Osteuropa stammenden Juden.
Ab 1938 waren speziell die polnischen Juden, die in Deutschland lebten, zunehmenden Schikanen ausgesetzt. Samuel Obarzanek konnte noch bis Mitte 1939 unter Einschränkungen in München arbeiten (unter seinen Kunden durften keine »Arier« mehr sein), dann wurde er ausgewiesen; die einzige Möglichkeit, auszuwandern, bot ihm Italien. Seine Familie ging mit ihm. In Mailand arbeiteten Samuel in seinem Beruf als Schneider, Adele als Näherin und Thea als Hausmädchen.
Anfang Juli 1940 wurde die Familie, wie viele andere ausländische Juden, in Kalabrien interniert. Samuel kam in das Lager Ferramonti, die anderen drei zunächst für einige Wochen nach Rogliano, später ebenfalls nach Ferramonti. Die Aufseher behandelten sie dort einigermaßen gut, es gab genug zu essen, auch
 




wurde Chinin gegen die Malaria ausgegeben (Ferramonti lag in einem Sumpfgebiet). Im Lager nahmen die Obarzaneks einen Jungen namens Harry (Enrich, Heinrich) bei sich auf, der dort keine eigenen Angehörigen hatte.
Im Oktober 1941, nachdem sie über ein Jahr im Süden interniert gewesen waren, kam die Familie Obarzanek wieder nach Norditalien, nach Villanova d’Asti. Dort konnten die Eltern wieder ihrer gewohnten Arbeit nachgehen, Tochter Thea führte den Haushalt.
Als sie im Herbst 1943 erfuhren, dass die Deutschen mit der Verhaftung von Juden in Italien begannen, versteckten sich die Obarzaneks in Zimone, einem piemontesischen Bergdorf. Dort wohnten sie in einer Scheune. Die Dorfbewohner waren eingeweiht und hielten zu ihnen. Doch aufgrund einer Unvorsichtigkeit des Jungen, den die Familie in Ferramonti zu sich genommen hatte, wurden sie von italienischen Soldaten entdeckt und nach Turin in ein Gefängnis geschickt, das unter deutscher Leitung stand (vermutlich das Gefängnis »Le Nuove«). Ein Freund aus Zimone erinnerte sich noch im Jahr 2000 an das Bild, wie die Familie samt ihren armseligen Strohsäcken auf einem Wagen abtransportiert wurde. Laut Liliana Picciottos Libro della memoria (Ausgabe 2002) geschah dies im Juni 1944.
Nach zwei Monaten Gefängnishaft wurde die Familie Obarzanek für ein oder zwei Tage in einem Sammellager untergebracht, dann folgte die Deportation nach Auschwitz. Etwa 50–55 Personen wurden in je einen Viehwaggon gepfercht. Die Fahrt dauerte fünf Tage. Im Libro della memoria ist verzeichnet, dass der Zug am 2. August in Verona losfuhr und am 6. August in Auschwitz ankam.
Nicht bekannt ist, was aus Harry wurde, dem Jungen, den die Familie Obarzanek zu sich genommen hatte. Er war anscheinend nicht unter den Deportierten vom August 1944.

 




Samuel Obarzanek wurde gleich nach der Ankunft oder wenige Tage später in Auschwitz ermordet. Der 17-jährige Emanuel wurde ins Nebenlager Auschwitz-Charlottengrube (in Rydultau) gebracht, um Zwangsarbeit in Bergwerken zu leisten. Dabei zog er sich eine Infektion am Bein zu, wurde nach Auschwitz zurückgesandt und dort ermordet. Adele und Thea aber überlebten die Haftzeit im Lager. Sie wurden nach Liebau (Lubawka) gebracht, in eine Abteilung des Konzentrationslagers Groß-Rosen in Niederschlesien (gegen Ende des Krieges wurden Tausende von KZ-Häftlingen in Groß-Rosen und dessen Außenlagern zusammengezogen). Dort sind beide Frauen 1945 durch russische Truppen befreit worden: »Am 8. Mai 1945 hatten die deutschen Aufseher Liebau verlassen – wir vermuteten: über Nacht. Wenige Stunden später kamen russische Truppen und sagten uns, dass die Deutschen in Deutschland kapituliert hätten« (Thea Aschkenase, geb. Obarzanek, in einer E-Mail vom 8. Mai 2007).
Adeles Mutter Cäcilie war 1939 wieder zurück nach Augsburg gezogen, in die Brunhildenstraße 1. Von hier wurde sie am 31. Juli 1942 über München nach Theresienstadt deportiert; im Januar 1943 ist sie dort an Typhus gestorben. Diese Auskunft bekamen Adele und Thea, als sie nach ihrer Befreiung 1945 nach Theresienstadt fuhren.
Mutter und Tochter emigrierten zunächst nach Israel (Tel Aviv), dann in die USA. Adele (»Ada«) Obarzanek, geb. Obernbreit, ist 1974 in Worcester (Massachusetts) gestorben.

(Diese Kurzbiografie beruht zum großen Teil auf Auskünften von Thea Aschkenase, Ada Obarzaneks Tochter, in E-Mails von Januar–Mai 2007.)

 


NB: Im Libro della memoria (Ausgabe 2002) ist angegeben, dass die Obarzaneks nach der Haft in Turin auch noch in einem Mailänder Gefängnis festgehalten worden seien. Laut Thea Aschkenase, geb. Obarzanek, ist diese Angabe falsch. 

Siehe Andreas Heusler, Brigitte Schmidt, Eva Ohlen, Tobias Weger u. Simone Dicke unter Mitarbeit von Maximilian Strnad, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945, Bd. 2 (M–Z), hrsg. vom Stadtarchiv München, München 2007, S. 201f. u. 207f.
Italienische Website zu den Deportationen von Juden aus der Provinz Vercelli (und benachbarten Provinzen) nach Auschwitz und in andere Konzentrationslager:
www.storia900bivc.it/pagine/deportazione/presentazione.html (Stand: Mai 2008).
Fotos aus dem Turiner Gefängnis »Le Nuove« (heute z.T. Gedenkstätte) von Eleanor Chiari, Dezember 2006, im Internet: http://hdl.handle.net/10065/116 (Stand: Mai 2008).

Literatur:
Thea Aschkenase, »It Was the Last Time We Were Together«, in: Newsweek vom 23. Oktober 2000, S. 11.
Francesco Folino, Ferramonti – un Lager di Mussolini. Gli internati durante la guerra, Cosenza 1985.
Alberto Lovatto, Deportazione memoria comunità. Vercellesi, biellesi e valsesiani nei Lager nazisti, Mailand 1998, S. 37, 71f., 112f.
Liliana Picciotto, Il libro della memoria. Gli Ebrei deportati dall’Italia (1943–1945), Mailand 1991; 3., erw. Aufl. 2002, S. 477.
 




Daniela Sandigliano, »Una pagina della deportazione rivissuta anche in paese dai protagonisti: ›Io, ebrea rifiugiata a Zimone‹. La storia di Thea Aschkenase su Newsweek«, in: La Stampa, edizione Vercelli, vom 12. November 2000, S. 41.
Wolfram Selig, »Arisierung« in München. Die Vernichtung jüdischer Existenz 1937–1939, Berlin 2004, S. 734 (zum Schneidereibetrieb von Samuel Obarzanek).

   
  Elsa Obernbreit
geb. 1903 in Augsburg, Vater Kaufmann

Elsas Vater Emanuel Obernbreit (geb. 1866) war Besitzer eines Schuhgeschäfts. Seine
Ehefrau hieß Cäcilie (Cäzilia), geb. Großmann (geb. 1862). So wie Elsa hatten auch ihre älteren Schwestern Adele, Ernestine und Rosa die »Städtische Töchterschule« besucht, die ab 1912 als »Städtische Höhere Mädchenschule« bezeichnet wurde und 1914 den Namen »Maria-Theresia-Schule« erhielt.
Elsa trat 1913 in Klasse 1 ein. 1916/17 wiederholte sie die dritte Klasse; möglicherweise besuchte sie dann im folgenden Jahr noch Klasse 4.
Vater Emanuel Obernbreit starb 1924 in Augsburg. Elsas Schwester Adele hatte Ende 1922 nach München geheiratet. Zusammen mit ihrer Mutter Cäcilie zog auch Elsa nach München. Ihre Wohnung lag in der Reichenbachstraße, bei der dortigen Synagoge der aus Osteuropa stammenden Juden und ganz in der Nähe von Adeles Familie.
Ab 1938 waren speziell die polnischen Juden, die in Deutschland lebten, zunehmenden Schikanen ausgesetzt. Samuel Obarzanek konnte bis Mitte 1939 unter Einschränkungen in München arbeiten, dann wurde er ausgewiesen und fand die Möglichkeit, mit seiner Familie nach Italien auszuwandern. Elsa wurde von einer Familie in England aufgenommen und als Haushaltshilfe angestellt.
Elsas Mutter Cäcilie zog wieder zurück nach Augsburg, in die Brunhildenstraße 1. Von hier wurde sie am 31. Juli 1942 über München nach Theresienstadt deportiert; im Januar 1943 ist sie dort an Typhus gestorben.
Nach dem zweiten Weltkrieg wanderte Elsa von England in die USA aus. Als verheiratete Weil lebte sie in der Nähe ihrer Schwester Adele zuerst in New York, dann in Worcester (Massachusetts).
 




Elsa Weil, geb. Obernbreit, ist 1992 in Worcester (Massachusetts) gestorben.

(Diese Kurzbiografie beruht zum großen Teil auf Auskünften von Thea Aschkenase, Elsas Nichte, in E-Mails von Januar und Februar 2007).

Siehe Andreas Heusler, Brigitte Schmidt, Eva Ohlen, Tobias Weger u. Simone Dicke unter Mitarbeit von Maximilian Strnad, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945, Bd. 2 (M–Z), hrsg. vom Stadtarchiv München, München 2007, S. 201f. u. 207f. (zur Familie Obarzanek und zu Cäcilie Obernbreit).

   
 
  Ernestine Obernbreit
geb. 1895 in Augsburg, Vater Kaufmann

Ernestines Vater Emanuel Obernbreit (geb. 1866) war Besitzer eines Schuhgeschäfts
. Seine Ehefrau hieß Cäcilie (Cäzilia), geb. Großmann (geb. 1862). So wie Ernestine besuchten auch ihre Schwestern Adele, Elsa und Rosa die »Städtische Töchterschule«, die ab 1914 »Maria-Theresia-Schule« hieß. Ernestine ging 1906–1909 in die Klassen 1–3.
1919 heiratete Ernestine in Augsburg den Viehhändler Jacob Gruber (geb. 1881), einen Onkel von Berta Horn und Ilse Marx. Ilse hat die Feierlichkeit in einem kurzen Artikel beschrieben. Das Ehepaar Gruber bekam zwei Söhne, von denen einer, Paul (geb. 1920), mit 16 Jahren in die USA emigrierte. Der andere, Kurt (geb. 1923), wurde mit seinen Eltern Anfang April 1942 nach Piaski in Polen deportiert; alle drei gelten als verschollen.
Zwei Monate lang, von April bis Juni 1942, lebte auch der Ingenieur Arnold Hindls aus Brno (Brünn) in Piaski – für ihn war dies nur eine Verschleppungsstation von vielen, zwischen Theresienstadt und Ossowo. Über Piaski schreibt er in seinen Erinnerungen (Einer kehrte zurück, 1965): »Piaski, ein kleines Städtchen in der Lubliner Woiwodschaft, ringsum von Sand und Sümpfen und Wald umgeben, ist durch die Staatsstraße Lublin–Cholm (= Chelm) in zwei Teile geteilt, weshalb sich das ehemals große, von etwa dreitausend einheimischen Juden bewohnte Getto zu beiden Seiten der Staatsstraße ausbreitete. Nur waren die beiden Gettoteile jetzt, jeder für sich, mit hohen Bretterzäunen und Stacheldraht eingefriedet, mit großen, ständig bewachten Toren, die nur vormittags und nachmittags je eine Stunde am Tage geöffnet wurden und zur Staatsstraße hin abgeschlossen waren. … Die Häuser des Gettos waren zumeist aus Holz, mit nur kleinen Höfen, ineinandergeschachtelt, vorwiegend ebenerdig, manche einstöckig. … Im Städtchen gab es weder Wasserleitung noch Kanalisierung. Für die rund sechstausend Menschen zählende Belegschaft der beiden Gettoteile … gab es
 




nur einen einzigen Brunnen mit annehmbarem Trinkwasser im südlichen Getto, von dem pro Person und pro Tag nur ein Kübel von zehn Liter Inhalt geholt werden durfte. … Am Rande des südlich gelegenen Gettos, an der Staatsstraße, war in einem geräumigen, solid gebauten Gebäude das Kommando der SS untergebracht, dem das Getto unterstellt war. Von dem Balkon des Gebäudes konnte die SS beide Gettoteile sehr gut beobachten. Bei jedem Besuch dieser ›Herrenmenschen‹ gab es reichlich Ohrfeigen, Fußtritte und Peitschenhiebe, und ›nicht erlaubte‹ Lebensmittel, die ins Getto geschmuggelt worden waren, wurden beschlagnahmt. … An Hunger starben hier täglich zwanzig bis dreißig Menschen, die zu vollkommenen Skeletten abgemagert waren. … Trotz dieser katastrophalen Verpflegungsverhältnisse wurden alle arbeitsfähigen Männer und Frauen täglich gruppenweise zu Erd-, Garten- und Straßenunterhaltungsarbeiten herangezogen … Auch im Getto selbst gab es genug Arbeit, wie die Reinigung und Vertiefung der Abflussgräben und Rigolen, die Errichtung von Latrinen und immer wieder Latrinen, die nie ausreichten.«
Im Herbst 1942 wurden einige Juden aus Piaski nach Belzec, die übrigen, etwa 4000, nach Sobibor gebracht und dort ermordet. Sofort wurde das »Ghetto« durch Deportationen erneut belegt.
Ernestines Vater starb 1924 in Augsburg. Seine Witwe Cäcilie zog zusammen mit Tochter Elsa nach München und wohnte dort nahe bei ihrer anderen Tochter Adele, verheirateter Obarzanek. Als die Obarzaneks 1939 nach Italien auswandern mussten und Elsa eine Anstellung in England fand, zog Cäcilie wieder zurück nach Augsburg, in die Brunhildenstraße 1. Von hier wurde sie am 31. Juli 1942 über München nach Theresienstadt deportiert; im Januar 1943 ist sie dort an Typhus gestorben.

 




Ernestines Sohn Paul Gruber diente während des Krieges in der US-Army. Danach wurde er Wissenschaftler in der Kommunikationstechnologie. Er starb 2003.
Der Name von Ernestine Gruber ist auf einer Glastafel der Schoa-Gedenkstätte aufgeführt, die im Augsburger Rathaus zu besichtigen ist (Künstler: Klaus Goth).

Siehe Andreas Heusler, Brigitte Schmidt, Eva Ohlen, Tobias Weger u. Simone Dicke unter Mitarbeit von Maximilian Strnad, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945, Bd. 2 (M–Z), hrsg. vom Stadtarchiv München, München 2007, s. 201f. u. 207f. (zur Familie Obarzanek und zu Cäcilie Obernbreit).

Literatur:
Jean Mar (Ilse Marx), »Summer Wedding«, in: Kittay News von August 2001.
Arnold Hindls, Einer kehrte zurück. Bericht eines Deportierten, Stuttgart 1965, S. 12–32.


zum Artikel von Jean Mar (deutsch)

zum Artikel von Jean Mar (englisch)

   
  Rosa Obernbreit
geb. 1892 in Augsburg, Vater Kaufmann

Rosas Vater Emanuel Obernbreit (geb. 1866) war Besitzer eines Schuhgeschäfts. Seine
Ehefrau hieß Cäcilie (Cäzilia), geb. Großmann (geb. 1862). So wie Rosa besuchten auch ihre Schwestern Adele, Elsa und Ernestine die »Städtische Töchterschule«, die 1914 den Namen »Maria-Theresia-Schule« erhielt. Rosa ging 1903–1906 in die Klassen 1–3.
1913 heiratete Rosa den Pressburger Buchhalter Maurus Hajdu (Haydo). Ihr Sohn Pali emigrierte vor dem zweiten Weltkrieg nach Palästina.
Rosas Vater starb 1924 in Augsburg. Seine Witwe Cäcilie zog zusammen mit Tochter Elsa nach München und wohnte dort nahe bei ihrer anderen Tochter Adele, verheirateter Obarzanek. Als die Obarzaneks 1939 nach Italien auswandern mussten und Elsa eine Anstellung in England fand, zog Cäcilie wieder zurück nach Augsburg, in die Brunhildenstraße 1. Von hier wurde sie am 31. Juli 1942 über München nach Theresienstadt deportiert; im Januar 1943 ist sie dort an Typhus gestorben.
Laut Auskunft ihrer Nichte Thea Aschkenase wurde Rosa deportiert; Genaueres ist nicht bekannt (E-Mail vom 3. Februar 2007).

Siehe
Andreas Heusler, Brigitte Schmidt, Eva Ohlen, Tobias Weger u. Simone Dicke unter Mitarbeit von Maximilian Strnad, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933–1945, Bd. 2 (M–Z), hrsg. vom Stadtarchiv München, München 2007, S. 201f. u. 207f. (zur Familie Obarzanek und zu Cäcilie Obernbreit).