Notebook

UA, S’ensemble Theater, 16. Juli 11, 1 H 1 D

Rechte: Theaterverlag Hofmann-Paul, Berlin

Barbie ist der Star ihrer Mädchen“mann“schaft. Ja, Barbie ist so gut, dass sie auch oft die Jungenmannschaft verstärkt hat. Dann gab es Ärger … Heute aber, beim letzten Spiel der Saison, soll Barbie den Jungs noch einmal helfen, den Aufstieg zu sichern. Gebannt verfolgen die Eltern das entscheidende Spiel am Spielfeldrand, vor allem der Vater feuert seine Tochter begeistert an. Doch dabei treten allerlei Abgründe, Vorurteile und Rollenklischees zu Tage und bringen die „heile Fußballwelt“ gründlich ins Wanken.  Bis zum Schluss der Ball irgendwie doch noch im Tor landet und es zumindest an diesem Nachmittag ein „happy end“ gibt.

 

1:0

Barbie, schieß doch! Die Sommerproduktion des S’ensemble Theaters steht im Endspiel.

Als einer der beachtenswerteren Beiträge zum kulturellen Rahmenprogramm der Frauenfußball- WM in der eigenen Stadt dürfte uns das herrliche Stück »Barbie, schieß doch!« in Erinnerung bleiben. Dies hat nur bedingt mit dem wunderbaren Sommerabend zu tun, in den hinein uns das S’ensemble Theater die Uraufführung inszeniert hat. Der Text von Sebastian Seidel ist schlichtweg gelungen und die schauspielerische Leistung von Daniela Nering und Florian Fisch auf der kleinen, zum Sommer- Open-Theater improvisierten Bühne am Jakoberwallturm wurde von Regisseur Jörg Schur zu 110 Prozent auf den Punkt gebracht.

Nering und Fischer spielen das Ehepaar Drill. Papa Drill lebt für den Verein und wünscht sich nichts mehr, als dass Barbie seine geplatzten Träume von der eigenen Karriere als Fußballstar zu einem späten Happy End bringt. Mama Drill ist in der Halbzeitpause für Kaffee und Kuchen verantwortlich und hält ansonsten den Kontakt zur Außenwelt. Denn eines ist klar, nur hier auf dem Sportplatz spielt für den unglücklichen Metzgermeister Drill das echte Leben.

Ihr Töchterlein Bärbel aka Barbie hat Spaß am Fußball und genügend Talent, um in der Jungenmannschaft mitzumischen. Ein letztes Mal noch soll sie dort aushelfen. Es geht um den Aufstieg und die Drills verfolgen natürlich auch dieses Match vom Spielfeldrand aus.

Doch diesmal ist irgendetwas anders. Ab einem gewissen Punkt können die aufgestauten Frustrationen der beiden nicht mehr gelenkt werden. Die Kampfbahn des Stadions verwandelt sich zusehends zum Schlachtfeld in eigener Sache. Pläne werden vernichtet, Positionen zertrümmert und Träume zerstört. Dabei wird allerdings so wunderbar überzogen agiert, dass noch die platteste Attitüde das nötige Quantum an Spannkraft hält. Wie leicht hätte der Regisseur das einem Minenfeld gleiche Stück an nicht nur einer Stelle in die Luft jagen können. Doch das war an diesem Premierenabend weder mit Daniela Nering als kurzsichtige, sexy Cheerleader-Mami noch mit Florian Fisch zu machen. Dieser agierte irgendwo zwischen dem nicht mehr ganz jungen Jean-Paul Belmondo und einem gut aufgelegten Louis de Funès. Und das ist doch einiges mehr, als so manch anderer von seiner Rolle behaupten kann.

a3 KULTUR

Chefredakteur: Jürgen Kannler (kaj) (V.i.S.d.P.)

Verlag: studio a ug (haftungsbeschränkt)
Austraße 27
86153 Augsburg