Hamlet for You
UA, S’ensemble Theater Augsburg, 7. Oktober 06, 2 H oder 1 H 1 D
Rechte: Theaterverlag Hofmann-Paul, Berlin
“Hamlet for You” ist eine Shakespeare-Komödie um zwei Schauspieler, die „Hamlet“ in Angriff nehmen. Natürlich in einer ganz besonderen Variante, bei der alles mögliche schief geht und neu interpretiert wird. Allein die Frage, wer welche Rolle spielen darf, ist schwierig zu lösen. Auf Helsingör in Dänemark dreht sich alles um Intrigen, Verzweiflung, Irrsinn, List und Tücke.
Es geht um die großen aber auch die kleinen Fragen des Lebens: Sein oder Nichtsein, Singen oder Nichtsingen, Geist oder Nichtgeist, Lachen oder Weinen,Hamlet oder Laertes, Coca-Cola oder Pepsi. Am Ende dieses „lehrreichen Theaterspaßes“ sind alle vergiftet, ertrunken oder erstochen und der Rest ist Schweigen.
Augsburger Allgemeine: „vergnüglicher, komischer und kurzweiliger Theaterabend.”
Echo Online Darmstadt: “Zwei Mimen… und als Vorlage die schwergewichtige Shakespeare-Tragödie: Das ist das Grundgerüst, auf dem Sebastian Seidel seine Hamlet-Variation aufbaut… eine turbulente und schrille Dramen-Travestie, die vor allem viel erzählt über den Nachhall Shakespeares im kollektiven Gedächtnis der Popkultur und über die Psychologie und Sozialmechanik des Theaters.”
Von folgenden Theatern wurde oder wird “Hamlet for You” gespielt:
- S’ensemble Theater, Augsburg, Premiere 2006
- AuGuS Theater, Neu-Ulm, 2007
- Theater light, Leipzig, 2007
- Riegeler Kumedi, Riegel bei Freiburg, 2007
- Staatstheater Darmstadt, 2008
- neuesschauspielköln, Köln, 2008
- Theater an der Disharmonie, Schweinfurt, 2008
- Marcel Diekmann, Bremen, 2009
- Stephan Greve, Preetz / Laboe, 2009 (in niederdt. Übersetzung)
- Junges Theater Forchheim, 2010
- Theater Fatale, Nordenham, 2010
- Landestheater Detmold, 2011
- Fränkischer Theatersommer, Hollfeld, 2011
- Theater Wolfsburg, 2011
| Pressestimmen Hamlet for You |
„Hamlet for You“ von Sebastian Seidel; Peter Thomas, Darmstädter Echo, 3. März 2008
Yoricks Totenschädel wartet dampfend in der Spülmaschine, Ophelias Perücke mit dem wallenden Blondhaar ist verschwunden und die Kühlschublade mit den Eiswürfeln ist eine todbringende Lagerstätte. Stefan Schuster und Hubert Schlemmer spielen in der Bar der Kammerspiele des Staatstheaters Darmstadt zu zweit den ganzen Hamlet. Sie haben ihn zuschauerfreundlich auf eine Stunde gekürzt, da die meisten Klassiker zu lang sind und sich dieser Shakespeare nicht wirklich kurz fassen konnte. Damit niemand einnickt, wenn endlich „Der Rest ist Schweigen“ kommt, haben die beiden Mimen den Klassiker entschlackt und in die heutige Zeit transportiert. Dass das Sinn macht, darüber sind sie sich einig. Nicht aber, wer welche Rolle spielt. Die kleinen Machtkämpfe, die die beiden Schauspieler führen, sind köstlich. Wie ein roter Faden ziehen sie sich durch das pathetische Hamlet-Stück. Schlemmer weiß alles besser, gibt den seriösen, erfahrenen Schauspieler, während Schuster übereifrig und hitzig beweisen will, dass er auch was kann. Schuster spielt Ophelia, Gertrude und den Geist, Schlemmer dagegen gibt Hamlet, Horatio, Polonius, Bernardo und Laertes. Da gibt es auch schon den ersten Streit: Schuster fühlt sich benachteiligt und will nicht immer nur „Frauen, Geister und Nebenrollen spielen.“ Deswegen darf er auch singen, im silbernen Glitzeranzug intoniert er zur Musik von „I will survive“ ein wunderbares Geist-Solo. Dass jeder weiß, dass im Staate Dänemark etwas faul ist, setzen die beiden voraus. Und trotzdem erklärt Schlemmer Schuster: „Das hier ist Theater, da tun wir so, als ob das noch niemand wüsste.“ Sebastian Seidels Stück nimmt den Klassiker hoch, wo es nur geht. Regisseurin Martina Reith hat „Hamlet for you“ in Darmstadt kurzweilig und turbulent inszeniert. Die Schauspieler erobern die gesamte Bar als Spielraum, sie flitzen zwischen den Barhockern hin- und her, klettern auf die Theke, klammern sich an die Barstangen. Hamlet tunkt Ophelia (die dann sowieso ertrinkt) ins Waschbecken. Ein kleines Plastikpony galoppiert wiehernd über die Theke, Ophelia mampft Hamburger und Fisch, trägt einen lilafarbenen Rock und rosa Ringelsöckchen. Das Publikum wird angestiftet das Geschehen zu kommentieren, wie das im Elisabethanischen Theater so üblich war. Sobald einer der beiden „Gertrude“ ruft, rufen alle Zuschauer „Schlampe, Schlampe“, beschimpfen Claudius dagegen als „Mörder, Mörder“. Nur wenn der Name „Hamlet“ fällt, klopfen sie wie im Fußballstadion auf die Tische und feuern ihn an. Es ist ein Riesenspaß. Für Schlemmer und Schuster ist der turbulente Abend dagegen Schwerstarbeit, sie streiten, schreien und spielen mit großem Körpereinsatz, so dass Ophelias künstliches Perückenhaar schweißnass an der Stirn klebt. Schlemmer gibt einen Hamlet voller Pathos, proklamiert „Sein oder nicht sein“ mit geschlossenen Augen, während Schuster hinter der Theke versteckt und den Monolog stört. Dafür schubst Schlemmer ihn von der Theke, um als Hamlet pathetisch zu sterben. Der Rest ist Gelächter – und riesiger Applaus. Der Rest ist Gelächter – und riesiger Applaus; Fee Berthold , Main-Echo, 12.März 08 |


