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UA, S’ensemble Theater, 10. März 2007, 1 H

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Jakob Fugger baut im Laufe seines Lebens ein sagenhaftes Vermögen auf. In Europa ist niemand reicher als er. Sein Imperium kreist um die mächtigsten Pole. Kaiser und Papst hängen von seinem Geld ab. Nach seiner aktiven Zeit als Kaufmann und Banker wird er zum Consultant seiner eigenen Firma. Aus dem Hintergrund hält er die wichtigsten Fäden in der Hand. Insgeheim wird bis heute nicht nur die Weltwirtschaft sondern auch der Kampf gegen den Terrorismus über seine Darlehen gelenkt und finanziert.

Die Arbeit macht Jakob Fugger einerseits großen Spaß. Mit Hilfe der modernen Kommunikationsmittel kann er viele gewagte Ideen verwirklichen und sich weltweit ausleben. Andererseits fällt es ihm immer schwerer, den perfekten Kapitalisten zu spielen. Das Alter macht ihm zunehmend zu schaffen und es drängen sich ihm andere Blickwinkel auf. Vor allem die Frage nach dem eigenen Seelenheil wird immer wichtiger. Auch die Bedeutungslosigkeit der einstigen Weltstadt Augsburg ist ihm ein Dorn im Auge. Beides lässt ihm keine Ruhe.

Presse: “Nicht zuletzt die überragende Leistung des Schauspielers Heinz Schulan lässt das intelligente Werk zum Pflichttermin werden.”

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Bericht in der Südwest-Presse am 1. März 2010:

Dank seines Vermögens hatte Jakob Fugger Einfluss auf die Machtzentren in Europa. In Weißenhorn hatte er das immer noch – zumindest einen Theaterabend lang.

Jakob Fugger ist frustriert. Das Alter – immerhin 551 Jahre – und die Unfähigkeit seiner Mitarbeiter machen ihm zu schaffen. Doch der Augsburger Kaufmann denkt nicht daran zu sterben. Zu wichtig ist seine Rolle in der Weltpolitik und der globalen Wirtschaft geworden. Außerdem will er seinen letzten großen Coup landen.

Das “sensemble Theater” aus Augsburg hat die Geschichte des einflussreichen Kaufmanns weitergesponnen. Am Samstag trat der Schauspieler Heinz Schulan als Jakob Fugger unter der Regie von Sebastian Seidel im Weißenhorner Stadttheater auf – an die 60 Mal tat er dies bereits in Augsburg. Bürgermeister Wolfgang Fendt hatte die Theaterleute für einen Gastauftritt in Weißenhorn engagiert. Mit dem Solostück sorgten die beiden für Begeisterung bei den 72 Zuschauern. “Wir haben drei Stränge in unserem Stück vereint. Die Weltpolitik, Wirtschaft und die persönliche Liebe Fuggers zur katholischen Kirche”, erklärte Seidel.

Die Geschichte: 1459 wurde Jakob Fugger in der Nähe von Augsburg geboren. Durch sein geschäftliches Kalkül stieg er zu einem der mächtigsten Männer Europas auf. Papst und Kaiser waren auf sein Geld angewiesen. Das Theaterstück: Der alte Jakob Fugger sitzt alleine in seinem Wohnzimmer. Um ihn herum stehen Medikamente und ein Tropf. Der Alte kann kaum noch vom Sessel zum Schreibtisch gehen. Immer wieder klingelt sein Telefon, und er muss abheben. Er blafft die Anrufenden an. “Kaufen, auf alle Fälle kaufen. Aber nicht mehr als eine Milliarde und über einen Strohmann. Keiner soll wissen, wer hinter dem Deal steht.” Jakob Fugger zieht aus dem Untergrund die Fäden, obwohl er sich aus dem aktiven Geschäft seit Jahren zurückgezogen hat. Seinem Rat kann sich aber keiner entziehen. Er ist zum Consultant geworden. Sein Einfluss ist nach wie vor groß. Im 16. Jahrhundert hingen Kaiser und Papst von seinem Geld ab, nun verdient er am Bankencrash und am Terrorismus. “Wenn ich nicht wäre, würden die alle am selbstgewebten Hungertuch nagen.”

Spendenanfragen weist der herrische Alte rüde ab. “Mit der Fuggerei habe ich genug Gutes getan”, fährt er Bittsteller an. Lauthals wettert er über die unfähigen Politiker, die Schuldenberge anhäufen und dann zu ihm gekrochen kommen. Doch dem Augsburger liegt vor seinem Tod noch eine Sache am Herzen. Sein letzter großer Coup. Er will die ehemalige Schwabenmetropole Augsburg vor der Bedeutungslosigkeit retten. Er nimmt es den Ratsherren übel, dass von ihm nur eine kleine Büste in der Stadt zu finden ist. Er will die Stadt aufkaufen und im Rathaus für Ordnung sorgen. “Ich bin Augsburger. Ich habe diese Stadt zu dem gemacht, was sie einmal war.” Und er will sie zu altem Glanz führen. “Augsburgs Stadtentwicklung stagniert. Nur alte Bauten. Sogar in Ulm schafft man es, Alt und Neu nebeneinander existieren zu lassen”, sagt Fugger. Doch sein letztes Vorhaben scheitert, denn ein einziges, kleines Gebäude in Augsburg kann er nicht kaufen – das Theater. Als er das erfährt, ist der Schock zu groß. Der Fugger stirbt an einem Herzinfarkt in seiner geliebten katholischen Kirche.