Biografien   Lina Heymann
Lina Heymann
geb. 1922 in Augsburg (in den Schul-Jahresberichten ist kein Geburtsort angegeben), Vater Kaufmann

Linas Eltern waren beide gebürtige Augsburger. Vater Salo(mon) Heymann (geb. 1876) besaß in Augsburg ein Grundstück mit Stall für das Vieh, mit dem er handelte. Linas Mutter war
Meta, geb. Neumayer (geb. 1887). So wie Lina und ihre Mutter hatten auch Linas ältere Schwestern Ruth und Edith die Maria-Theresia-Schule besucht.
Lina wurde seit frühester Kindheit »Liesl« (später »Lysl«) genannt.
Lysl besuchte die Maria-Theresia-Schule von 1933 bis 1936 in den Klassen 1–3. Mit 13 Jahren
ging sie am 2. April 1936 ohne Abschluss von der Schule ab und wechselte an die Klosterschule St. Elisabeth (Franziskanerinnen-Kloster Maria Stern), was mehrere jüdische Schülerinnen um diese Zeit taten; sie erhofften sich, an der Klosterschule vor rassistischen Angriffen geschützt zu sein. Schwester M. Edelwina (geb. Kunigunde) Hutzmann, die damals dieselbe Schule besuchte und seit 1945 vorwiegend als Handarbeitslehrerin wieder dort tätig war, erinnert sich noch heute daran, dass das Verhältnis zwischen den Schülerinnen, ohne Ansehen der Religion, liebevoll war (Interview Oktober 2005).
Lysl machte nach der Schulzeit eine Ausbildung als Kinderpflegerin. 1939 emigrierte sie nach England, 1946 in die USA. Dort heiratete sie 1947 Ernst Sundheim (geb. 1916 in Frankfurt a. M.). Das Ehepaar bekam zwei Kinder. Lysls Ehemann Ernst (in den USA: Ernest) starb 1988 in Baltimore.
Im Oktober 1992 hat Lysl Sundheim zusammen mit anderen emigrierten Augsburger Juden ihre alte Heimatstadt besucht.
Lysl Sundheim, geb. Lina Heymann, lebt bis heute (Juni 2007) in den USA.
Lysls Mutter Meta starb 1936 in München, Lysls Vater Salo wurde im August 1942 von München nach Theresienstadt deportiert und starb dort knapp zwei Jahre später, am 18. Juni 1944.

(Lysl Sundheim hat diese Kurzbiografie selbst korrigiert und ergänzt.)

Literatur:
Eva-Maria Knab, »›Hände zur Versöhnung ausgestreckt‹. Jüdische Gäste suchen am Lech eigene Erinnerungen und neuen Kontakt zur Heimat«, in: Augsburger Allgemeine Zeitung vom 20. Oktober 1992.
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