Ruth Kupfer
geb. 1925, Vater Kaufmann, Wohnung
Karolinenstraße
Ruths Eltern waren Simon Kupfer (geb. 1899 in München) und
Berta, geb.
Priester (geb. 1900 in Augsburg). Simon führte ein Lederwarengeschäft
am Annaplatz. Ruth hat eine ältere Schwester, Edith (geb. 1924).
Ruth ging am 2. April 1936 nach nur einem Schuljahr in Klasse
1 von der Maria-Theresia-Schule ab. Ihr Vater war polnischer
Staatsangehörigkeit. Wie viele Augsburger und Münchner Juden,
die aus Polen stammten, wurde er mitsamt seiner Familie (?)
Ende September 1938, also wenige Wochen vor dem Novemberpogrom,
zwangsweise nach Polen gebracht, dort aber nicht ins Land gelassen.
Am 2. Oktober trafen die Kupfers mit den anderen Verschleppten
wieder in Augsburg ein. Simon wurde dann nach der »Reichskristallnacht«
am 10. November 1938 inhaftiert und für einige Zeit in das KZ
Dachau gebracht. Am Ende des Jahres wanderte die Familie an
Bord der »Washington« in die USA aus.
In den USA verdienten sich Simon zunächst als Fabrikarbeiter,
Berta als Putzfrau den Lebensunterhalt. Auch die Töchter konnten
nicht länger zur Schule gehen, sondern mussten Geld verdienen.
Nach einigen Jahren aber konnten Berta und Simon wieder ein
Lederwarengeschäft eröffnen.
Ruth heiratete Joseph Greco; das Ehepaar bekam ein Kind. Ruth
lebt bis heute (2005) in den USA. Sie hat Deutschland nie mehr
besuchen wollen.
Ruths Eltern starben in Brooklyn (New York), Berta 1952, Simon
1954.
Ruths Großeltern mütterlicherseits wurden Anfang August 1942
nach Theresienstadt deportiert. Aloisia Priester, geb. Stein
(geb. 1870), ist dort am 11. Januar 1943
gestorben; Albert Priester (geb.
1872) wurde im Mai 1944 nach Auschwitz gebracht.
NB: Ende Oktober 1938 wurden aus ganz Deutschland
jüdische Polen zur deutsch-polnischen Grenze gebracht, in vielen
Fällen mitsamt ihren Familien (»Polenaktion«). Zum Teil mussten
sie mehrere Monate lang in Barackenlagern ausharren. Wenn die
Angaben von Albert und Sophie Dann stimmen (s.u.), dann wurde
von Augsburg (und München) aus schon einen Monat früher ein
solcher Deportationsversuch gemacht.
Literatur:
Albert Dann, Erinnerungen an die Augsburger jüdische
Gemeinde (verfasst 1944 und 1959), unveröffentlicht; Auszüge
in: Gernot Römer, Mitarbeit Ellen Römer, Der Leidensweg der
Juden in Schwaben. Schicksale von 1933–1945 in Berichten, Dokumenten
und Zahlen, Augsburg 1983, S. 27–41, hier S. 34 (zur Deportation
der polnischstämmigen Augsburger Juden im September 1938).
Sophie Dann, »Zum 3. Reich in Augsburg«, in: Augsburger Blätter
4 (1978), Heft 1, S. 26f. (zum selben Deportationsversuch).
Alfred Schmidt, »Viele schöne Erlebnisse, doch der Schmerz bleibt.
Wie die Jüdin Edith Schwarz ihre Heimatstadt erlebte«, in:
Augsburger Allgemeine Zeitung vom 27./28. Oktober 1990,
S. 46 (zu einem Besuch von Ruths Schwester Edith in Augsburg,
mit Ediths Bericht über ihre Emigration). |