Biografien   Elsbeth Landauer
Elsbeth Landauer
geb. 1911 in Augsburg, Vater Fabrikbesitzer (»M. S. Landauer«), Wohnung Frölichstraße 10½ / II, Firma Färberstraße 25

Die Textilfabrik »M. S. Landauer« lag in Augsburg-Oberhausen, Elsbeths Vater Paul (geb. 1879 in Augsburg) war einer von
mehreren Teilhabern aus der Landauer-Familie (der Name der Firma stammte von ihrem Gründer, dem Weber Moses Samuel Landauer, der 1808 in Hürben – heute ein Stadtteil von Krumbach – geboren worden war).
Paul Landauer heiratete 1910 Hedwig Schnebel aus Nürnberg (geb. 1890). Das Paar bekam vier Töchter, die alle die Maria-Theresia-Schule besuchten: Elsbeth, Herta, Dora und Marianne. Elsbeth war die älteste.
Elsbeth besuchte die Schule von 1924 bis 1930 in den Klassen G4–G9 und machte 1930 das Abitur; wahrscheinlich war sie 1921 in Klasse 1 eingetreten.
Im Mai 1925 feierte Elsbeth zusammen mit neun anderen jüdischen Mädchen ihre »Konfirmation« in Augsburg (Batmizwah: Fest der religiösen Mündigkeit für jüdische Mädchen, kann individuell am Sabbat nach dem 12. Geburtstag des Mädchens begangen werden, wurde in Augsburg aber, konfirmationsartig, jährlich oder in noch größeren Abständen für mehrere Jahrgänge gemeinsam abgehalten).
Elsbeth heiratete 1932 Georg Spiro (geb. 1896 in Znin, heute Polen). Dieser war bis 1933 Direktor der Augsburger Kaufhaus-»Schocken«-Filiale, Untere Maximilianstraße C 7 (heute Nr. 11), dann Generaldirektor der Firma in Zwickau, Parkstraße 20; ein Vetter von ihm war Theodor Schocken, der Ehemann von Elsbeths Schwester Dora. In Augsburg bekam Elsbeth 1933 einen Sohn, Ernst Simon, in Zwickau 1935 eine Tochter, Susanne.
Die Familie Spiro wanderte 1938 nach Ramat Gan in Palästina aus (bei Tel Aviv). Die Kaufhaus-Kette Schocken wurde »arisiert« und hieß von nun an »Merkur«. In Ramat Gan wurde 1939 Lea Spiro geboren, Elsbeths drittes Kind.
Um 1938 musste auch die Augsburger Firma »M. S. Landauer«, seit vier Generationen in Familienbesitz, weit unter Wert verkauft werden und wurde »arisiert«. Auch Elsbeths Eltern, Hedwig und Paul Landauer, emigrierten 1939 nach Ramat Gan.
Georg Spiro ist 1972 in Ramat Gan, Israel, gestorben. Elsbeths Vater Paul starb dort 1976, ihre Mutter Hedwig 1979.
Elsbeth lebt bis heute (April 2007) in Israel in einem Seniorenheim.

(Shimon Spiro, Elsbeths Sohn, hat diese Kurzbiografie seiner Mutter ergänzt.)
 

Siehe im Staatsarchiv Augsburg die Kopie einer Chronik der Firma M. S. Landauer. Ein Anhang, »Die Nachfahren des M. S. Landauer und seiner Ehefrau Klara aus Hürben bei Krumbach«, endet beim Stand vom 15. März 1936.

Literatur:
Anthony David, The Patron. A Life of Salman Schocken, 1877–1959, New York 2003.
Konrad Fuchs, Ein Konzern aus Sachsen. Das Kaufhaus Schocken als Spiegelbild deutscher Wirtschaft und Politik 1901 bis 1953, Stuttgart 1990.

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